Galerie Emanuel Layr
Matthias Noggler – consecrated by human use / Vienna
Opening: 17 January 2018, 7 pm
18.1.–3.3.2018
18.1. –
3.3.2018

 

In seiner ersten Einzelausstellung in der Galerie Emanuel Layr zeigt Matthias Noggler (*1990, Innsbruck) eine neue Serie von insgesamt acht in Gouachefarben gehaltenen Malereien auf Papier, die in helle Holzrahmen gefasst sind.

Noggler konfrontiert die Betrachter_innen darin mit einem Nebeneinander von Szenen, die keinerlei Hierarchie oder Leserichtung vorgeben. An Wimmelbilder erinnernd, wie sie zum einen in Kinderbüchern vorkommen, zum anderen aber auch im Werk von Pieter Bruegel, schieben sich diese Szenen dicht an- und übereinander. Karikaturhaft überzeichnete Figuren aus diversen soziokulturellen Milieus finden sich hier auf engstem Raum zusammen. Detailliert gemalte Oberflächen und Körperpartien lenken den Blick auf Embleme zeitgenössischer Medien- und Konsumkultur und stellen so unterschiedliche Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren und ihren Tätigkeiten her. Und schließlich erweisen sich die weniger individuell als typisiert dargestellten Figuren als nur scheinbar unverwechselbar und haben indes funktionalen Beispielcharakter.

Die Räume und Umgebungen, in denen sich diese Figurenkonstellationen als solche allererst bilden, sind an Endzeitvisionen und dystopische Szenerien angelehnt, für die gesellschaftliche Realitäten wie Finanzkrise, Sozialabbau und nicht zuletzt der Alltag neoliberaler Selbstoptimierung die Grundlage darstellen. So verweist z.B. eine hin und wieder im Bildvordergrund auftauchende Hand, die ähnlich wie in First-Person-Videospielen eine bestimmte Aktion zu navigieren hat, an die artifiziellen Bildwelten postapokalyptischer Computerspiele. Andere Bildanleihen reichen wiederum historisch weit zurück: Die grotesken Alltagsszenen etwa, die Noggler uns vorführt, wenn er Menschen beim Work-Out oder Camping, vor allem aber beim Abwarten, Beobachten, Zigaretterauchen, also beim vermeintlichen Nichts-Tun zeigt, erinnern an die Malereien italienischer Frührenaissancekünstler wie Vittore Carpaccio. Auch Carpaccios Bilder kennzeichnet eine oftmals absurde, mitunter sogar makabre Sicht auf Alltagssituationen, die sich innerhalb eines Bildes zum Teil gleichzeitig ereignen, so wie auch Noggler den Bildraum seiner Malereien als einen durch synchron ablaufende Handlungen und Gesten strukturiert.

Unterstützt wird dieser Eindruck der Schichtung und Überlagerung von Körpern, Gegenständen und Szenarien durch Nogglers eigentümlichen Einsatz intensiver Farbigkeit, wobei einzelne Farbtöne in verschiedenen Bildern wiederkehren. Dadurch erhält die Farbgebung als wichtiges organisierendes Element nicht nur malerische Eigenständigkeit. Vielmehr erzeugen die ornamenthaft stilisierten Oberflächen in Verbindung mit einerseits starken Farbkontrasten, andererseits der visuellen Einebnung von Figur und Grund einen psychedelischen Effekt. Einen wichtigen Bezugspunkt stellen in diesem Zusammenhang die „Chicago Imagists“ dar, die als lose Künstler_innengruppe in den USA der 1960er-Jahre durch ihre surreale Bildsprache auffiel und sich mit Underground und lokalen Folk-Traditionen beschäftigte. Autonom von der New Yorker Kunstszene der damaligen Zeit distanzierten sich die „Chicago Imagists“ von High Modernism und Minimal Art und widmeten sich stattdessen Outsider Art, Folk Art und anderen trash treasures.

Im Sinne einer solchen Auseinandersetzung mit Abjektem und von der Gesellschaft Verfemtem deutet der Titel der Ausstellung Consecrated by human use eine posthumane Gesellschaftskritik an. Entsprechend macht Nogglers Malerei auf der Einladungskarte, die vier Hunde bei einem konspirativen Treffen zeigt, eine Welt ohne Menschen bereits vorstellbar.

Katharina Hausladen